Elektronische Platzreservierung

Elektronische Sitzplatzreservierungssysteme (EPR) verbessern den Fahrgastkomfort. Sie ersetzen im Fernverkehr die bisher verwendeten Reservierungszettel bzw. schaffen im Nahverkehr durch die Möglichkeit zur Buchung eines Sitzplatzes zusätzlichen Komfort für Stammkunden.

Ein EPR-System besteht dabei aus dem stationären Reservierungsrechner, einer Datenübertragung in den Zug, einem Steuerrechner im Zug und Reservierungsdisplays am Sitzplatz.

Reservierungen werden ausschließlich an einem zentralen stationären Rechner vorgenommen, um Doppelbelegungen auszuschließen. Nach Redaktionsschluss werden die getätigten Reservierungen zu einem Datensatz zusammengefasst und an den Steuerrechner im Zug übergeben. Am schnellsten und bequemsten geschieht dies über eine Datenfunkeinrichtung. Das System verarbeitet standardmäßig Reservierungsdatensätze des EPA-Rechners, optional auch Daten von anderen Reservierungssystemen.

Für die korrekte Zuordnung der Reservierungsinformation zum Sitzplatz und deren dynamische Anpassung an den Fahrtverlauf sorgt die zentrale FIS-Steuerung im Zug. Sie ermittelt zunächst die Wagenreihung und ordnet die identifizierten Wagen der Sollzugbildung in den Reservierungsdaten zu.

Entsprechend der zugehörigen Wagengrundrisse weist sie dann den einzelnen Displays die aus der Auswertung der übergebenen Reservierungsdaten abgeleiteten Inhalte zu. Aus dem Abgleich der Positionsinformationen mit dem Fahrplan ermittelt sie während der Fahrt die Zeitpunkte, an denen die Reservierungsinformation entsprechend dem Fahrtverlauf aktualisiert werden müssen. Dabei werden auch betriebliche Sonderfälle wie z.B. Stärken/Schwächen bzw. Flügeln/Zusammenführen als auch Kurswagen berücksichtigt.

Technische Daten

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Die EPR-Steuerung wird vom FIS-Rechner übernommen. Er erhält über USB-Datenträger oder das Ethernet-Netzwerk die zugehörigen Fahrplan und Reservierungsdaten. Standard ist dabei das EPA-Format der DB. Aus diesen Plandaten und den Istdaten der Fahrtsteuerung ermittelt er laufend die aktuelle Reservierungssituation und leitet diese an die Reservierungsdisplays weiter. Die Zuordnung zu den Sitzplätzen erfolgt dabei über einen Abgleich der geplanten Wagenreihung mit der über das Netzwerk ermittelten Zugzusammenstellung.

In jedem Wagen befindet sich ein Display Controller, der mit dem FIS Rechner über das zugweite Ethernet-Netzwerk verbunden ist. Er fungiert als Gateway zu den Reservierungsdisplays die aus Kostengründen über serielle Schnittstellen gesteuert werden. Für jeden Wagen stehen dazu zwei RS485 Datenleitungen zur Verfügung, an die jeweils bis zu 20 Display-Einheiten für je 2 Sitzplätze bzw. für Abteile angeschlossen werden können.

Vorteile und Nutzen

Reservierungen können entweder für einen gesamten Fahrtabschnitt oder nur für den Beginn dieses Fahrtabschnitts bzw. für Einzelpersonen oder Gruppen erfolgen.

Bei hoher Belegung des Zuges im Fernverkehr wird dabei bevorzugt die Reservierung für einen kurzen Zeitbereich ab dem Zustiegsbahnhof gewählt werden, um nicht belegte Plätze optimal nutzen zu können. Stammkunden genießen dagegen den Komfort eines für die gesamte Fahrt für sie freigehaltenen Sitzplatzes.

Spezielle Verfahren werden z.B. für Gruppen angewandt, deren Mitglieder an unterschiedlichen Stationen zusteigen bzw. für Dienstabteile, die mit einem Sondertext reserviert werden.

Als Reservierungsdisplays werden Anzeigen in Vakuum Fluoreszenz Technik eingesetzt, die bei hoher Leuchtdichte und langer Lebensdauer einen kosteneffizienten Betrieb ermöglichen. Grundfarbe dieser Displays ist weiß-grün. Diese Farbe kann durch geeignete Filter beispielsweise auch in amber konvertiert werden.

Vorteile auf einen Blick:

  • Gut lesbare hell leuchtende Reservierungsanzeigen
  • Kompakter Aufbau – auch für Nachrüstung geeignet
  • Einfache Verkabelung von Modul zu Modul
  • Automatische Adressierung der Reservierungsdisplays
  • Hohe Funktionsvielfalt auch für spezielle Betriebsfälle
  • Kompatibel zum EPA Reservierungs-System
  • Robustes Systemverhalten durch erprobte Rückfallebenen
  • Geringe Betriebskosten durch vollautomatischen Betrieb
  • Betriebsbewährt: seit über 10 Jahren im täglichen Fahrbetrieb

Anwendungen

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Mit dem Funkwerk Sitzplatzreservierungssystem wurde die elektronische Sitzplatzreservierung bei der Deutschen Bahn eingeführt. Es ist u.a. in den IC/EC-Zügen der DB als auch im ICE 1 und ICE 2 im Einsatz.

Mit dem Funkwerk EPR-System werden täglich mehr als 100.000 Sitzplätze, zumeist mehrfach pro Tag, reserviert. Das System ist bereits seit über 15 Jahren im Einsatz und hat dabei seine hohe Zuverlässigkeit bewiesen.